Bereich: Internet u. Medienkunst      Seite zuletzt bearbeitet: 14.08.04

Netzkunst-Teilnahme

Internetbasiert Projekte, die zur Teilnahme auffordern

MICHAEL SCHACHT, SARA BURKHARDT, ERNST WAGNER

Für schulische Projekte, die die Spezifika des WWW nutzen wollen, rückt die kommunikative Funktion des Internet bzw. das gemeinsame Kooperieren mittels Netz in das Zentrum der Überlegungen. So hat z.B. 1999 ein Lehrer in seinem Unterricht die Netz-Fortsetzungsgeschichte Interfantasonien begonnen. Andere Kinder - etwa ab der 3. Klasse Grundschule - sind nun eingeladen, mit eigenen Ideen etwas zu Interfantasonien beizutragen. Dafür erstellen sie eigene (Bilder-)Geschichten als Internetseiten (Bilder, Texte, Animationen) und legen diese auf einem Server ab. Die ursprünglichen Autoren der gewünschten Andockstellen werden per E-Mail gebeten, den Link auf die Weiterführung ihrer Geschichte zu setzen. So wird die Erzählung, die sich immer mehr verzweigt, in Bild, Text und Ton fortgeführt. Es wurden bereits knapp 20 verschiedene Themen wie "Mittelalterliche Burgen", Detektivgeschichten, Zeitreisen u.v.a.m. verarbeitet.

Bei dem Vorhaben wird eine Verbindung zwischen eher traditionellen Feldern der Kunstpädagogik (Kinderzeichnung, Collage, visuelle Poesie) und den digitalen Medien hergestellt. Dabei setzen sich die Kinder intensiv mit dem Medium 'Hypertext' auseinander: Sie müssen überlegen, wohin ihr Weg führen soll und welche Verzweigungen es gibt. Eine ästhetische Komponente kommt beispielsweise dort ins Spiel, wo konventionellen Regeln kreativ zweckentfremdet werden, z. B. in Form von Sackgassen oder Schleifen.
(Eine genauere Darstellung des Einsatzes neuer Medien in der Grundschule am Beispiel der Internet-Fortsetzungsgeschichte „Interfantasonien“ finden Sie auf den Seiten von Michael Schacht.)


Auch professionelle Kunstschaffende im Internet arbeiten mit diesen Verfahren. Unter www.sito.org finden sich verschiedene "collaborative art projects", bei denen es um die gemeinsame Gestaltung digitaler Vorhaben geht. Bei Gridcosm beispielsweise - einem aus neun Quadraten bestehenden Feld - können Partizipierende jeweils eines der Quadrate reservieren und dorthin eine eigene Bildbearbeitung hochladen. Da die Ränder der Felder jeweils ineinander übergehen sollen, funktioniert dieses Projekt sehr teamorientiert. Sind alle Felder gefüllt, wird das Gemeinschaftswerk zum Mittelpunkt für das nächste Bild. Auf diese Weise sind bisher über 1200 Bildbearbeitungen entstanden, in die sich hinein- oder herauszoomen lässt. Eine Variation dieser Idee bietet Slithr, wo durch das Anfügen von Bildern Animationen weiterentwickelt werden.

Das Guggenheim-Museum bietet auf seiner Website das Internetprojekt net.flag des Künstlers Mark Napier zum Mitmachen an. Dort kann der Besucher aus den Elementen existierender Flaggen seine eigene gestalten. Die vom jeweils letzten Besucher erstellte Fahne ist der Ausgangspunkt für die nächste. Unter den Gesichtspunkten Form, Farbe und Bedeutung werden die verschiedenen "echten" Nationalfarben dazu als Material angeboten. Die fertig gestellte persönliche Flagge wird dann gespeichert und so Teil des Gesamtwerks.

Viele dieser partizipativen Netzkunstprojekte "leben" von der Beteiligung anderer, wie z. B. auch Kontora mir. Personen aus der ganzen Welt schicken dem Künstler Vito Pace Fotos mit ihren Ideen zu einem "Büro des Friedens".

Im Unterricht können diese und ähnliche Netzkunstwerke, die zur Teilhabe einladen, z.B. dadurch eingeführt werden, dass die Schüler die Spielregeln des Werks und dessen Grenzen zuerst individuell erforschen. Einzelne Schüler können dann die jeweiligen Interaktionsmöglichkeiten stellvertretend und über den Beamer projiziert durchführen, während die Klasse dies mitverfolgt, z.T. mit Kommentaren und Anregungen mitsteuert. Ebenso können an Projekten wie z. B. Gridcosm oder Kontora Mir ganze Klassenverbände - individuell oder in Kleingruppen - parallel teilnehmen und den Verlauf des Werkes mitbestimmen. Netzkunst kann so nicht nur rezipiert, sondern intensiv erlebt und erfahren werden. Eine Reflexionsphase, in der die Eindrücke aufgearbeitet werden, wird das Unterrichtsthema in der Regel abschließen.